Ein Himmelreich für STILLE

Es heißt ja, Schlafentzug sei eine Foltermethode! Was für mich allerdings noch schlimmer ist, sind weinende bzw. schreiende Kinder/Babys! Wenn ich Baby-Geschrei höre zieht sich sofort mein Magen zusammen und ich möchte SOFORT das Baby beruhigen! Das ist aber bei Zwillingen plus Kleinkind nicht immer so einfach, wenn man zum Beispiel eins gerade am stillen, wickeln, anziehen, baden oder oder ist! Das heißt innerhalb dieser total romantischen und schönen Zweisamkeit des Stillens schreit sich einer die Seele aus dem Leib! Ich glaube in solchen Augenblicken ist auch schlagartig meine Milch sauer geworden!

In den ersten circa 5 Lebensmonaten der Zwillinge habe ich so einiges gemacht, um die beiden vom schreien abzuhalten!

Manchmal fanden sie es toll solidarisch mit dem Bruder mitzuweinen (teilweise hat sich da auch Lisa ihren Brüdern solidarisch verpflichtet gefühlt), manchmal war es für jeweils einen auch okay ganz alleine zu schreien (dann habe ich manchmal solidarisch mitgemacht). Das ganze hat dann dazu geführt, dass ich mich tagein/tagaus in einem Kreislauf des Schreiens befunden habe! (Keine Ahnung wieso mein großer Traum seitdem ein Urlaub in einem Schweigekloster ist!?)

Ganz schlimm war in den ersten Monaten der Morgen für mich/uns. Der sah wie folgt aus:

  • In der Nacht im Wechsel alle 2 Stunden stillen!
  • 6:00 Bosse wird wach und hat Hunger! Jetzt heißt es Daumen drücken, dass Lasse sich noch ein paar Minuten Zeit lässt, denn für Simultan-Stillen war ich zu ungeschickt!
  • 6:15 Ich schleiche mit Bosse zur Wickelkommode, um ihn anzuziehen und zu wickeln. Da steht er so gar nicht drauf und prompt geht die zweite Sirene im Bett an. Lasse ist soeben erwacht!
  • 6:25 Bosse ablegen und Lasse zum stillen schnappen. Während der KOMPLETTEN Zeit (stillen, wickeln, anziehen von Lasse) brüllt Bosse! Ich versuche gaaaaanz ruhig zu sein, denn sein Bruder soll natürlich nicht auch noch unter dem Gebrülle leiden!
  • 6:30 Lisa ist wach. Bosse schreit immer noch und Lasse steht kurz davor. Ich lächle!
  • 6:30 bis 8:30 Vier Windeln werden gemacht, Milch&Banane für Lisa, Lasse&Bosse im Wechsel von der Hängematte zum Laufstall und zur Wippe. Zufrieden sind sie jeweils nur maximal 5 Minuten. Lasse komplett neu anziehen, da die Milch wieder das Tageslicht erblickt hat! Mit Lisa ein Diskussion darüber führen, dass Gummistiefel bei 30 Grad und Sonne ungünstig sind! Lisa umziehen! Das Zähne putzen verlief etwas feucht “fröhlich”.
  • 8:30 JETZT kommen wir zum unangenehmen Teil! Alle Drei werden angezogen, um Lisa zu Ihrer Tagesmutter bringen zu können. Ich setze als erstes Lasse in den Maxi Cosi (das ist kein Zufall, sondern Planung). Als letztes kommt Bosse in den Maxi Cosi. Während ich ihn anschnalle singe ich laut, lache, mache verrückte Geräusche… Also all das wofür man als Mutter (zu Recht) auf offener Straße schräg angeguckt wird!
  • 8:40 Alle sind ab-fahrbereit! Jetzt geht es auf Geschwindigkeit! Ich sprinte mit Lasse im Maxi Cosi zum Auto und rufe gleichzeitig “Lisaaaa los! Abmarsch ins Auto! HoppiliHop” (ja…so etwas sagt Mama in Panik).
  • 8:41 Drinnen ist Bosse schon am Brüllen! Ich schnappe mir seinen Maxi Cosi und schaukel diesen neben der offen Autotür. Es ist kurz ruhig…
  • 8:43 Wild schaukelnd gehe ich schnell noch mal im Kopf durch, ob ich auch nichts vergessen habe.
  • 8:44 Klick! Bosse ist im Auto! Ich renne um das Auto, hüpfe auf den Sitz, starte den Motor und fahre extra ruckartig aus der Einfahrt raus. Auto abstellen, zum Tor rennen, Tor schließen, ich höre es schon!!! Ich überlege kurz, ob ich wirklich wieder einsteigen muss!!!
  • 8:45 Lisa guckt sich ungerührt ein Buch an, Lasse blickt etwas irritiert zu seinem Bruder und Bosse sitzt mit hochrotem Kopf und aufgerissen Mund in seinem Maxi Cosi. Bosse liebt Auto fahren!
  • 8:46 Die nächsten 10 Minuten habe ich unfassbar herzzereißendes Geschrei hinter mir im Auto und verfluche jede rote Ampel und beneide jeden, der neben mir alleine in seinem Auto sitzt!
  • 8:56 Endlich angekommen! Bosse hat nicht eine Sekunde aufgehört zu schreien! Also schnell raus aus dem Auto, Lisa herausheben und als nächsten Bosse aus seinem gehassten Maxi Cosi nehmen!
  • 8:58 Wie genau komme ich jetzt eigentlich zur Tagesmutter runter? Die Räumlichkeiten erreicht man nur über eine sehr schmale Treppe im Souterrain.
  • 9:00 Bosse ist nun glücklich in der Bauchtrage und weil ich es nicht übers Herz gebracht habe, habe ich natürlich auch den Maxi Cosi mit Lasse unterm Arm.
  • 9:02 Erstmal Lasse unten bei der Tagesmutter auf den Tisch packen und wieder hoch, Lisa an der Hand die Treppen runter führen. Geschafft! Naja fast… Lisa die Schuhe aus und anziehen ist mit Bosse vor mir doch eine Herausforderung…
  • 9:10 Lasse&Bosse zurück ins Auto und SOFORT geht die Sirene von Bosse wieder los! Ich lächle nicht mehr!
  • 9:11 Ich greife zu meinem letzten Joker und schmeiße eine Metal-CD vom Papa der Bande ein! Laut gröhlend brausen wir also los, bis es einen lauten Schlag gibt! Ah moment, habe ich erwähnt, dass das Gegröhle aus den Boxen Bosse leider so gar nicht vom schreien abhält?
  • 9:12 Verdammt! Was war das??? Und wo bitte ist mein rechter Außenspiegel hin???
  • 9:13 OH NEIN! OH NEIN! OH NEIN! Ich ahnte nichts gutes! Hinter mir her kommt ein Transporter mit dezent ramponiertem Außenspiegel! OH NEIN! Ich bin den Tränen nahe!!! Bitte lass das jetzt nicht irgendein motziger Handwerker sein, der mich anpampt!
  • 9:14 Ich fahre rechts auf einen Parkplatz (Bosse ist weiterhin DURCHGEHEND am Schreien) und steige aus. Und hey, was soll ich sagen, man muss ja auch mal Glück haben! Im Transporter sitzt kein übel gelaunter Handwerker, sondern eine Mama mit der Oma. Sie hört das Schreien in meinem Auto, sieht meinen verzweifelten Blick, guckt ihren Außenspiegel an und sagt “Ist ja nichts passiert! Beruhigen Sie lieber ihr Baby! Viel Erfolg!” Und dann steigt sie wieder ein und fährt!

Tatsächlich war an ihrem Außenspiegel, dank des Plastiks, so gut wie nichts zu sehen! Aber ich bin mir sicher, dass 99% einen riesen Aufriss gemacht hätten! Ich bin der Frau heute noch dankbar für ihre coole Reaktion!

Und an alle Mamas da draußen, die schlaflose Nächte hinter sich gebracht haben und noch weitere vor sich haben, die sich täglich die Nerven anschreien lassen und die ständig hören “Irgendwann wird es besser!” und diesen Satz einfach nicht mehr hören können! Es wird wirklich besser! Versprochen! Ehrenwort! Ich habe irgendwann mal festgestellt, dass wenn man wirklich am Ende seiner Kräfte ist und alle paar Minuten los heulen könnte… genau dann wird es besser!

  12 comments for “Ein Himmelreich für STILLE

  1. Susan
    März 10, 2016 at 9:28 am

    Ich hatte ein Schreikind das sich erst mit 9Monaten gelegt hat, kann also deinen Stresspegel etwas nachvollziehen obwohl es mit Doppelpack sicher etwas extremer ist/war.

    Bei uns hat sich nach Monaten rausgestellt das der arme Kerl Kiss Syndrom (also grob übersetzt einige Wirbel draußen) hatte. Nachdem das “behoben” wurde warenMaxi Cosi und sein Bett endlich eine Option wo es auch ohne schreien ging. Der hat monatelang nur auf mir geschlafen, geschrien oder geko…

    Schreiende Kinder oder Babies bringen den Stresspegel sofort wieder zurück zu diesen erlebten Momenten… Brennt sich ein wenn nur Geschrei herrscht. Man ist so hilflos

    • DreiPlus2
      März 11, 2016 at 11:59 am

      Hilflos ist wohl wahr! ;-( Ich hoffe bei Dir ist mittlerweile alles gut! Wir haben auf jeden Fall mittlerweile mehr gute, wie schlechte Tage! 😉

      • Susan
        März 11, 2016 at 12:10 pm

        Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, ich glaube er hat sein Brüll Pensum aufgebraucht. Inzwischen ist er ein glückliches 20 Monate altes Persönchen und ich erkenne mich wieder als Mensch wie ich vorher war.

        Es wird wirklich besser

  2. Susan
    März 10, 2016 at 9:29 am

    -.- der Text wurde mit iiiiiiis geschrieben, warum
    im Text weg sind weiß ich nicht

  3. März 15, 2016 at 1:43 pm

    Was ich die ganze Zeit sagen wollte: HORROR! Das kenn ich. Nur ohne Auto. Zu Fuß. Man kommt nichtmal von der Stelle. Die Zeit im Nacken. Mindestens ein Kind schreit….Was macht man nicht alles mit als Mama.
    Hinterher kann man drüber lachen. Aber IN der Situation kann man nur noch heulen.
    Einmal sagte eine Frau im Park zu mir: “Tja, Mädchen, selber Schuld!”
    Da hätte ich am liebsten mit dem Laufrad nach ihr geworfen. Mann, war ich auf 180.

    • DreiPlus2
      März 15, 2016 at 7:03 pm

      Oh man! Der hätte ich auch das Laufrad hinterher geworfen! Und dann noch ne volle Windel hinterher!

  4. Mel
    März 15, 2016 at 9:15 pm

    Da kann ich so mitfühlen! Hatte zwar nur ein Schreikind mit Ausdauer, aber es brachte mich auch weit über meine Grenzen. Metal im Auto oder Ohrstöpsel daheim milderte auch nur wenig. So albern es klingt, indische Mantras bringen einen echt runter, sobald man mal ein paar Minuten Luft hat.
    Lg Mel

    • DreiPlus2
      März 17, 2016 at 7:28 pm

      Du Arme! Ein Schreikind stelle ich mir auch echt heftig vor!!! Was sind indische Mantras??? LG Nina

  5. März 16, 2016 at 2:58 am

    Ich habe gerade deinen Post entdeckt und habe beim Lesen die ganze Zeig mit dem Kopf genickt! Ganz so schlimm ist es hier nur ab späten Nachmittag, kaum habe ich einen Krümel beruhigt und lege ihn weg, um den zweiten wieder zu beruhigen, geht es wieder los. Bin also gestern um 19 Uhr mit beiden ins Bett und nach 3 Stunden (!) waren sie endlich beide ruhig. Den Käfer noch fix ge-angel-vact und die Kravbe gefüttert und dann war Ruhe bis 2:30 Uhr.

    • DreiPlus2
      März 17, 2016 at 7:27 pm

      Oh hah! Ich hoffe es ist etwas ruhiger schon bei dir! Und was ist ge-angel-vact? Liebe Grüße Nina

  6. März 19, 2016 at 6:29 am

    Boah!!! Kleinkind und Zwillinge….
    Ich hab “nur” Kleinkind und Baby. Zwar mit nur 19 Monaten abstand, was – je nach Tagesform – Zwillingen gleichkommt, aber Zwillinge würden mich tatsächlich in die Klapse bringen. Kenne ich aber auch und bewundere ich sehr. Habe nächste Woche eine Mama bei mir auf dem Blog, die genau davon berichtet. Aber naja andere Sache, was ich eigentlich sagen wollte:
    Ich kenne das so so so so gut. Mein Sohn geht sowieso nur 2, maximal 3 Vormittage die Woche zu seiner Tagesmutter, aber mir reicht das schon völlig. Echt! Manchmal finde ich die morgende, an denen ich ihn bringen muss, stressiger, als die, an denen er zuhause ist. Okay, wenn er zuhause ist wird es eben zuhause stressig, aber anders. Dann ist es unaufgeräumt und chaotisch und man hat von einander keine Pause und ich kriege ihn auch nicht so ausgelastet wie die anderen Tageskinder das schaffen, aber genau das, was du dort beschrieben hast – das macht mich feddich. Wenn ich um 9.30 Uhr schweißnass wieder nach Hause komme und mich dann aber eben nicht mit nem Kaffee vor den Rechner setzen kann sondern das Baby dann natürlich auch Bedürfnisse hat. Dann lasse ich lieber beide Kinder hier, frühstücke ausgiebig mit Ihnen und starte langsam und ohne Schweiß in den Tag 😀

    • DreiPlus2
      März 19, 2016 at 11:51 am

      Ja die Kombi ist schon heftig (bei uns 18 Monate). Wir hatten uns bei der Entscheidung für ein Geschwisterchen ja schon mit Absicht für den geringen Altersabstand entschieden und uns war (nicht wirklich) bewusst, dass es echt heftig wird, aber dann Zwillinge….Aber die wussten, dass sie zu zweit kommen müssen, denn wahrscheinlich hätte ich mich nicht freiwillig für ein Drittes entschieden 😉 Der Morgen ist zwar mittlerweile bei uns entspannter, aber es tatsächlich teilweise ein entspannterer Stress, wenn wir ohne Zeitdruck in den Tag starten können!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.