Im Ernst jetzt?! Regretting Motherhood?!

Da das Thema doch sehr polarisiert hier noch ein kleines Vorwort: Ursprung der ganzen Debatte ist die Studie der Soziologin Orna Donath, die doch tatsächlich ganze 23 Frauen innerhalb ihrer “Studie” befragt hat. Die meisten Mütter betonten, dass sie zwar ihre Kinder liebten, aber die Mutterschaft hassten. Für ihre Studie hat Donath nur Frauen ausgewählt, die auf folgende Frage mit einem klaren Nein antworteten: “Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, mit Ihrem heutigen Wissen und Ihrer Erfahrung, würden Sie dann nochmal Mutter werden?”

Alleine die letzte Aussage widerlegt die Aussage dieser Mütter, dass sie ihre Kinder lieben, denn wenn ich meine Mutterschaft rückgängig machen möchte, bedeutet es, dass die Liebe zu meinem Kind geringer wiegt… Und das bedeutet für mich, dass diese Mütter Hilfe brauchen oder gebraucht hätten! Ich glaube nicht, dass das Problem der Frauen tatsächlich ihre Mutterschaft ist, sondern die Geburt des Kindes eine eventuell auch schon vorher dagewesene Depression ausgelöst hat! Und gegen eine Depression kann man angehen! Gegen Regretting Motherhood erstmal nicht! Der Begriff steht einfach wie eine unüberwindbare Mauer vor einem! Wie etwas das man akzeptieren muss! Muss man aber nicht! Man kann um sich, sein Kind, seine Familie kämpfen! Und wenn ich von Müttern lese die ihre Mutterschaft bereuen, weil sie keinen heißen Kaffee mehr trinken können…sorry, aber das kann ich nicht ernst nehmen!

 

Die Diskussion über das Thema läuft ja schon länger, tatsächlich habe ich mich jetzt erst dazu durchringen können einen Artikel darüber zu lesen. Wieso? Ich finde alleine die Überschrift „Regretting Motherhood“ irgendwie daneben. Obwohl „daneben“ es auch nicht so wirklich trifft, denn ich gestehe jedem seine Gefühle zu! Und wenn die mal nicht Gesellschaftskonform sind, dann ist das so! Aber muss man heutzutage allem immer so schwerwiegende Namen/Bezeichnungen geben? Regretting Motherhood, das neue „Ne Du ich hab da ne Intoleranz!“. Ich bereue meine Mutterschaft, weil ich meinen Kaffee morgens nicht trinken kann??? Weil ich erst an mein Kind und dann erst an mich denken kann? Ich den Elternabend oder wir basteln in der KiTa-Abend unfassbar ätzend finde? Okay dann kreiere ich mal ein paar neue Dinge: „Regretting das ich morgens aufstehen muss“, „Regretting das ich keinen Esel zuhause habe der Gold kackt!“, „Regretting das ich in unnötigen Meetings sein muss!“ „Regretting, dass der Bus fährt, wenn er fährt und nicht erst wenn ich da bin!“ Bitte nicht falsch verstehen! Alle Mütter, die sich gerade zu diesem Thema zustimmend äußern haben recht, indem sie sich auch mal über den Alltag als Mutter beschweren. Sich mal auskotzen! Aber dem ganzen diese riesengroße, schwer wiegende Überschrift „Regretting Motherhood“ zu geben ist einfach absolut übertrieben! Es ist das Leben! Und das Leben streut an manchen Tagen oder auch in manchen Jahren einfach etwas weniger Glitzer! Manche Phasen dauern länger, manche kürzer! Und vor allem die schweren Phasen dauern meistens verdammt lang! Am häufigsten sind es ja gerade die Mütter mit den kleinen Kindern, die ihre Mutterschaft bereuen. Aber es sind ja nun mal genau die ersten Jahre mit Kind, die so unfassbar anstrengend sind! Man wird nicht auf Ewig den Kaffee kalt trinken müssen und so ein klein wenig hat man das Leben mit Kind ja auch selbst in der Hand. Wenn ich den KiTa-Bastel-Abend total nervig finde, dann gehe ich einfach nicht hin! Wenn ich es schade finde, dass all meine Klamotten-Bestellungen für das Kind sind, dann bestell ich mir eben auch mal wieder etwas schönes! Ich drehe hier zum Beispiel jeden Abend zusammen mit einem meiner Söhne am Rad, weil er sich nicht hinlegen lässt! Er schreit jeden Abend! JEDEN! Ich kann das nicht mehr und habe meinem Partner das gestern auch gesagt! Aber aus den meisten Dingen, die man ganz furchtbar findet, gibt es einen Weg raus. Und damit meine ich nicht, dass ich mir jetzt einfach sage „Hey ich muss einfach ruhig bleiben, dann wird das schon!“ oder „Du musst ihm die Zeit geben die er braucht!“ Kann ich nicht! Auch mit Kind darf man egoistisch sein! Ich bringe meinen Sohn tatsächlich erst mal nicht mehr selbst ins Bett! Wieso? Weil ich ansonsten durchdrehe! Und wie löse ich das, wenn mein Partner nicht da ist? Dann werde ich ihn so lange durch die Gegend krabbeln lassen, bis er einfach an Ort und Stelle einschläft! Was möchte ich damit sagen: Ihr habt es immer ein Stück weit selbst in der Hand! Man muss nur auch mal nach Lösungen suchen, die fern von Erziehungsratgebern sind! Ich bin mir sicher, dass unsere Kinder es uns mehr danken werden, als eine Mutter zu haben, die durchdreht! Und dieser riesengrosse Begriff „Regretting Motherhood“ soll nicht zur großen Kuscheldecke werde, in der man sich einrollt!

Und ja die Basis der Diskussion beinhaltet auch 70jährige Mütter, die Rückblickend auf das Muttersein verzichten würden. Aber mal ganz ehrlich, da muss doch irgendwas gewaltig schief gegangen sein! Und alle Mütter, die sagen ihre Mutterschaft zu bereuen, sagen ja auch, dass sie ihre Kinder „trotzdem“ lieben, aber es gehört doch nun mal untrennbar zusammen. Das ist ja so sinnhaft wie zu sagen „Ich liebe es viel Geld im Monat zur Verfügung zu haben, aber dieses Arbeiten…ja dieses Arbeitnehmer sein bereue ich!“

Anstatt so viel Energie mit der Diskussion über „Regretting Motherhood“ zu verschwenden, sollten wir lieber darüber sprechen, wie wir das ein oder andere Problem lösen können, wie man vielleicht der gestressten Mama aus der Nachbarschaft mal unter die Arme greifen kann oder oder! Wie hat mir mal jemand gesagt, unsere Kinder wachsen in der Generation mit der meisten Liebe und Aufmerksamkeit für sich auf! Daher wird es sicherlich möglich sein an der ein oder anderen Stelle mal etwas egoistisch zu denken! Also kauft Euch eine Flasche Sekt und schwänzt den Elternabend!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.